Bestechung oder Werbung?
An ihnen hängt ein schlechter Ruf, es umgibt sie stets eine Aura von Korruption oder Bestechlichkeit. Dabei scheinen Werbegeschenke doch so harmlos und verbreitet zu sein. Dem gemeinen Menschen begegnen Werbemittel und Werbeartikel stets, sei es mit dem Logo politischer Parteien, bekannter oder weniger bekannter Unternehmen, Sportvereinen oder Veranstaltungen. Jeder wird im Alltag fast überhäuft mit Notizblöcken, Kugelschreibern, Wasserbällen und Feuerzeugen. Alles ohne den anrüchigen Hauch der Korruption, wer würde ernsthaft einer politischen Partei vorwerfen wollen, sie versuche mit ihren Werbegeschenke Stimmen zu kaufen? Auch ein Handel von Werbeartikel gegen Eintrittskarten ist wenig denkbar und noch weniger plausibel. Doch in der Geschäftswelt haben Werbegeschenke einen anderen Ruf. Besonders im staatlichen Bereich gelten sie als Einfallstor für Korruption und dunkle Machenschaften. Wer Werbegeschenke annimmt, so scheint es, ist nicht mehr weit von Schmiergeld und Käuflichkeit entfernt. Doch welcher Logik folgt ein Unternehmen, wenn es auf Werbegeschenke setzt? Kann ein einfacher Artikel wirklich solch desaströse Wirkung haben? Für die Unternehmen ist ein Werbemittel zunächst einfach eine Möglichkeit dort Werbung zu machen, wo ihre Massenkampagnen nicht ankommen können. Es ist schwer möglich in einem Business to Business Bereich Einkäufer anderer Firmen mit derselben Werbung anzusprechen wie die Endkunden und Verbraucher. Außer einem Inserat in Fachzeitschriften und der gelegentlichen Einladung zum Essen, die sowieso nach Korruption riecht, bleiben nur noch Werbegeschenke. Diese kleinen Agenten der Werbung können gezielt bei den Entscheidern, den sogenannten Movern und Shakern in entsprechenden Unternehmen platziert werden. Sie haben natürlich eine Art von Funktion, die den Beschenkten dazu bringen, sie einzusetzen. Und hier liegt der Knackpunkt. Ein nützliches Produkt, sei es ein einfacher Kalender oder eine exklusiver Kugelschreiber, unterwandert den Arbeitsalltag des beworbenen und setzt ihn konstant der Werbebotschaft aus. Die Logik der Werbemittel hat also mit Bestechlichkeit wenig zu tun, es geht vielmehr darum die Werbebotschaft gezielt zu verbreiten. Hierbei bieten sich Möglichkeiten, die äußerst effektiv auch außerhalb der Arbeitszeiten eine Werbebotschaft anbringen können. Sind Werbegeschenke einer etwas zivileren Natur, so wird der Beschenkte sie auch im Alltag oder sogar im Urlaub einsetzen. Ein kleines Radio kann so beispielsweise einen Entscheider sogar im Urlaub dauernd dem Logo und Slogan eines Kunden oder Anbieters aussetzen und deutlich auf sein Gehirn einwirken. Denn der Mensch kauft bevorzugt das was er kennt und welchen besseren Weg etwas kennenzulernen gibt es als ihm täglich ausgesetzt zu sein? Es ist nicht die Intention des Werbers mit einem Werbemittel und Werbeartikel die Bereitschaft beim Kunden herzustellen, ein bestimmtes Geschäft besser mit ihm abzuschließen. Solch eine Form der Korruption ist alleine mit den eher geringen Werten, die bei Werbegeschenke über den Tisch gehen, kaum vorstellbar. Nur äußerst selten ist ein Werbeartikel oder Werbemittel teuer genug, als dass sich der Beworbene zwischen ihm und einem eventuellen Verlust seiner Stelle für ersteres entscheiden würde. Von Korruption kann also keine Rede sein, wenn Werbegeschenke ausgetauscht werden, vielmehr von einer äußerst cleveren Werbestrategie. Und sie wirkt! Umsonst steigerte sich nicht alljährlich der Aufwand, der in Werbeartikel gesteckt würde. Möglicherweise ist es genau diese Effektivität, die dem Werbegeschenke den Ruf der Korruption eingebracht hat.
Autor / Information
Beate Saenger
Artikel / Pressemitteilung wurde geschrieben von: Beate
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Artikelbewertung: 4.00
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Kommentare
Aug 6th 2008, von
Beate
Sehr interessant der Artikel
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